So testen wir

Tagtäglich testet die video-Redaktion neueste Produkte aus dem Heimkino-Bereich: TVs, Lautsprecher, AV-Receiver, Projektoren, Settop-Boxen und vieles mehr. Doch wie und wo werden die Geräte eigentlich gemessen? Wir lassen Sie in die wichtigsten Räume unseres Verlagsgebäudes blicken!

VideoDay16_0398

Unser TV-Labor

„Heilige Stätte“ unserer Redaktion ist das TV-Labor von video-Testchef Roland Seibt. Hier werden Fernseher, Projektoren, Blu-ray Player und Settop-Boxen nach aktuellsten Messstandards getestet. In den sich technisch rasant weiterentwickelnden Zeiten von Ultra HD, OLED, High Dynamic Range (HDR) und Wide Color Gamut (erweiterter Farbraum) werden auch die video-Testsequenzen und das Mess-Equipment stets aktualisiert und angepasst. Schon seit mehr als 15 Jahren entwickelt Roland Seibt eigene Testabläufe und Rahmenbedingungen zur Auswertung und Verbesserung von TV-Geräten und Projektoren über DVDs bis hin zu 3D-Blu-rays. Dabei berücksichtigt er den weltweit anerkannten Kalibrierungs-Standard der Imaging Science Foundation (ISF).
Für unverfälschte Ergebnisse ist der Raum geschwärzt und besitzt außerdem Dutzende Anschlüsse für alle Arten von Antennen- und Netzwerksignalen.
Farb- und Helligkeitsmessungen werden durch die Software Calman Ultimate Business von Spectracal gesteuert und ausgewertet. Als Messgerät fungiert dabei das Spektrometer CS-2000 von Konika-Minolta. HDMI-(HDR-) Testbildgenerator ist der Fresco Six-G von Murideo.

Hier unterziehen wir auch AV-Receiver dem ultimativen Bild-Test. Wir überprüfen das Durchschleifen von Ultra-HD-Signalen mit mindestens 3840 x 2160/24p sowie HDR-Kompatibilität. Dafür schließen wir den Mehrkanalverstärker einfach an einem aktuellen 4k-TV an und speisen unseren UHD-Player mit einer entsprechenden Blu-ray-Disc. Auch die Video-Upscaling Funktionen werden hier unter der Verwendung von Testbildern auf die Probe gestellt.
Für präzisere Auskünfte verwenden wir den 4K-HDMI-Generator Six-G von Murideo sowie sein Gegenstück Six-A. Der Generator fungiert als Signalquelle, der Verstärker als Übermittler und der Analysator als Empfänger. Wir schicken also bestimmte Ausgangswerte an Auflösung, Bildfrequenz, Bittiefe, HDR-Signalen oder Farbräumen an den Verstärker und können am Display des isf-zertifizierten Analysators ablesen, welche Daten der AV-Receiver letztlich durchschleifen kann.

Testlab Audio

Lautsprecher misst das verlagseigene Messlabor „Testlab“ standesgemäß in einem schallarmen Raum. Dessen Wände und die Decke schlucken den Schall mit 70 Zentimeter langen Keilabsorbern, hinter denen Plattenabsorber aus unterschiedlich starken Aluminiumtafeln auch sehr tiefe Frequenzen absorbieren. Der Boden der Kammer besteht aus reflexionsstarkem, schwerem Vinyl. Um Mitarbeiter in den anliegenden Büros bei den zum Teil mit extremen Pegeln von bis zu 115 dB durchgeführten Messungen zu schonen, sind die Wände extrem schallundurchlässig, allein die Türe wiegt 200 Kilo. Gemessen werden die Lautsprecher über fünf hochwertige Mikrofone von Brüel & Kjaer. Als Messsystem dient ein Audio Preci-sion System 2. Ein bis unter 2 Ohm stabiler 3600-Watt-Verstärker sorgt dafür, dass bei Maximalpegelmessungen immer zuerst dem Lautsprecher die Puste ausgeht.

Zur Untersuchung von Surround-Receivern hat das Testlab einen Messplatz entwickelt, dessen Herzstück ein Audio Precision System 2722 Cascade ist. Das kann Verzerrungen bis hinab zu 0,00025 % detektieren und erfasst den Frequenzgang bis 500 kHz. Um die Verstärker bis an die Grenzen auszulasten, steht eine von 1 bis 8 Ohm in sechs Stufen umschaltbare Last zu Verfügung, die dauerhaft bis zu acht Mal 1000 Watt Leistung in Wärme umsetzt, kurzfristig deutlich mehr. Damit das 230-V-Netz dabei nicht zusammenbricht, wird es von einer aus Drehstrom gespeisten Wechselspannungsquelle von ACS gespeist, die die Spannung aufs Volt genau hält.

Heimkino

Im Verlags-Keller befindet sich das video-Heimkino, ausgestattet mit einer hochwertigen Stewart Leinwand und Referenz-Boxen von High Ender Bowers & Wilkins. Lautsprechersets und AV-Receiver müssen sich hier den geschulten Ohren der video-Soundexperten stellen. Dafür ist eine neutrale Abstimung der Raumakustik entscheidend. Das akustische Feintuning wurde mit professionellem Mess-Equipment von Experte Thomas Fast von Fastaudio durchgeführt. Der Boden ist schwimmend gelagert. Damit ist er nicht nur vom restlichen Gebäude akustisch entkoppelt, sondern wirkt auch als Plattenabsorber für tiefe Frequenzen. An den Wänden kommen akustisch optimierte, Schall absorbierende Rigipswände zum Einsatz. Um Reflexionen vom Boden zu reduzieren, wurde ein handelsüblicher Teppich verlegt. 

Wohnzimmer-Atmosphäre

Soundbars und kompakte TV-Soundlösungen, die ja gern mehr Refelexionsflächen im Raum verlangen, testen wir in einem normalen Verlagsraum, der mit Fenstern (Reflektor) und Bücherregalen (Diffusor) als übliches Wohnzimmer fungiert. Schließlich sind Wände und Decke in der eigenen Wohnung nur äußerst selten so klangoptimiert ausgebaut wie im video-Heimkino.